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Bei den Fotoaufnahmen im Hotel Chäteau Gütsch fielen die Hüllen.
Von wegen leeres Chäteau Gütsch: Hinter der jungfräulich weissen Fassade geht die Post ab. Vor kurzem wurden Erotikfotos für heisse Partys geschossen.

Zehn Frauen stehen im Kreis. Sie tragen eine venezianische Maske. Unter ihrem Umhang sind sie mit verführerischen Dessous bekleidet. Daneben murmeln zehn Männer im Cape eine Art Gebet. Unter ihren Kapuzen hervor begutachten sie die wartenden Frauen. Die Szene wird untermalt von mystischen Klängen. Nach der so genannten Zelebration vermischen sich Männer und Frauen. Es schäumt der Schämpis, bald wird gelacht und geflirtet. Was weiter geschieht, ist jedem und jeder selber überlassen.
Vorbild «Eyes Wide Shut»
Nach diesem Muster beginnen die Partys, die der Berner Werbe- und Marketingfachmann Andrej Lorenc in den Gemäuern alter Schweizer Schlös¬ser organisiert, seit 1989. Bis vor kurzem fanden die Anlässe im privaten Rahmen für Freun¬de und Bekannte statt, nun will Lorenc den Kreis öffnen. Dazu hat er eine Homepage «Castleevents.com»
aufgeschaltet, wo sich bereits gegen 2800 Mitglieder eingetragen haben und die er mit Partyfotos anreicherte.
Geschossen wurden diese Bilder im Hotel Chäteau Gütsch, das seit zwei Jahren geschlossen ist. Ob im Entree, im Kellergewölbe oder im Himmelbett der Honeymoon-Suite: Auf den meisten Fotos sind, sich räkelnde Mädchen zu sehen. «Das Hotel bietet die ideale Kulisse für meine Partys», sagt Andrej Lorenc auf Anfrage. Und betont: «Ich biete keine schmuddeligen Sex- oder Sadomasopartys an. Meine Partys sind eine Mischung zwischen venezianischen Maskenbäl¬len und Stanley Kubricks Film Eyes Wide Shut mit Nicole Kidman und Tom Cruise.» Und wie im Film erhält nur Zutritt, wer sich anmeldet und bis 350 Fran¬ken hinblättert. Ort und Passwort, das man am Ein¬gang sagen muss, werden wenige Tage vor der Party per Mail bekannt gege¬ben.
GUIDO FELDER
Luzerner Zeitung
www.luzernerzeitung.ch
Express
Im Märchenhotel Gütsch sind für Fotoaufnahmen die Hüllen gefallen. Die Fotos werben auf dem Internet für Partys auf Schlössern in der Schweiz. Bei diesen Partys handelt e sich um erotische Treffs wie im Film «Eyes wide shut».
Das Hotel soll im Sommer öffnen
Im Frühling 2003 wurde der Hotelbetrieb im Chateau Gütsch aber eingestellt, weil die Pächterin Turin Hotels International Schweiz Konkurs gegangen war. Seither steht das Märchenschloss mit wunderbarer Sicht auf Luzern leer. Jedenfalls mehr oder weniger: Hausbesitzer Franz Glanzmann hat sein Büro ins Schloss verlegt. Zudem hat es immer wieder Gäste auf dem Gütsch, die das Hotel für Fotoaufnahmen brauchen. Auch eine Filmcrew logierte einmal während vier Wochen im Hotel.
Mehrere Optionen
Franz Glanzmann, der das Chateau Gütsch in den Achtzigerjahren Fritz Furler übernommen hatte, will das Hotel wieder abstossen. Zur Zeit sucht er intensiv nach einem Käufer «Ich schätze, dass das Haus spätens im Sommer wieder offen ist sagt Glanzmann auf Anfrage. Ob er wirklich einen Käufer oder einen Pächter an der Angel hat, verrät er nicht. Nur so viel: «Es gibt mehrere Optionen.»