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Hochglanz-Fantasie mit Jet-Set-Feeling: Erotischer Maskenball irgendwo in der Schweiz

Irgendwo zwischen Zürich und Bern schreiten ebenfalls Menschen mit Masken und in schwarzen Capes einen fackelerleuchteten Weg zu einem entlegenen Schloss entlang. Sie murmeln ein Codewort, um dann hinter der knarrenden Holztür zu verschwinden. Doch mit therapeutischer Sexarbeit hat diese Inszenierung wenig zu tun. Den Camouflierten geht es um cineastisch-perfekte, faltenfreie Hochglanzfantasie mit Jetset-Feeling. Sie haben bis zu 350 Franken bezahlt, um in eine möglichst authentische «Eyes Wide Shut»-Szenerie einzutauchen - und unter möglichst schönen Menschen einen möglichst exklusiven Maskenball mit erotischem Flair zu feiern.




Im Internet haben sie sich als Maestro, Justine oder Hot Nixe angemeldet, einen umfangreichen Steckbrief ausgefüllt, ein «aussagekräftiges Foto» übermittelt. «Erst unter der Anonymität der Maske wagen es die Schweizer, sich wirklich gehen zu lassen», weiss der Partyveranstalter Andrej Lorenc.

Ab diesem Sommer will er eine Partyreihe ins Leben rufen, deren Reiz nicht nur aus höchsten Geheimhaltungsstufen bestehen soll, sondern aus einem ausgesucht ästhetischen und hochkarätigem Publikum.

Lorenc hat die Marktlücke aus eigener Erfahrung entdeckt. Kurze Testausflüge in renommierte Swingerklubs liessen den erotischen Abenteurer nämlich eher ernüchtert denn inspiriert zurück: «Da gab es nur hässliche, geile Böcke in Adiletten und Bademantel, die sich um ein paar unattraktive Frauen scharen oder Pornos schauen.» Normale Nächte in Zürcher oder Berner Szeneklubs findet Partyveranstalter Lorenc ebenso unsexy wie langweilig. «Will man mehr als nur knutschen, wird man entweder von der Security ermahnt, oder man muss auf die Toilette ausweichen.»

Offenbar ist Lorenc mit seinen Ansichten nicht allein. Obwohl seine Veranstaltungen nicht beworben werden, haben sich bislang 4000 Interessenten auf der Internetseite www.castieevents.com registrieren lassen. Einziger Wermutstropfen: Es gibt bisher weniger Frauen, die seine Fantasien aus Arthur Schnitzlers «Traumnovelle», Grundlage des «Eyes Wide Shut»-Films, teilen möchten - gerade mal 600 weibliche Userinnen, die sich für seine erotisch-venezianischen Maskenbälle interessieren, haben sich bislang gemeldet.

Limousinen-Service, Champagner und ein Vier-Gang-Menü inbegriffen

Die Aussicht auf anonyme Verführung ohne Wiederholungsgefahr wirkt offenbar auf Frauen weitaus weniger verlockend als auf Männer - Arzthelferin Conny einmal ausgenommen. Diese schwärmt von der eleganten «Nichts muss, alles kann» Atmosphäre, den attraktiven Männern und nicht zuletzt von den guten House Beats, zu denen man «die ganze Nacht tanzen kann wie auf jeder anderen Party».
Schon im August soll, wie Lorenc ankündigt, eine erste Schlossparty gefeiert werden mit rund 300 geladenen und handverlesenen Gästen, Limousinen-Service, Champagner und einem Vier-Gang-Menü inklusive. Ein prickelndechtes Hollywoodgefühl braucht eben auch das richtige Futter.

http://www.sonntagszeitung.ch/